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Löwenstein – das Ende der Fachklinik?

    Ki generiertes Bild von der Klinik Löwenstein

    Fachklinik Löwenstein – Gedanken nach zwei Jahren

    Seit 2024 beschäftigt mich die Zukunft der Fachklinik Löwenstein.

    Als die Medizinstrategie 2030 zum ersten Mal vorgestellt wurde, hatte ich sofort das Gefühl, dass es diesmal nicht um ein paar organisatorische Veränderungen geht. Mein erster Gedanke war vielmehr, dass hier der nächste Klinikstandort zur Diskussion stehen könnte. Damals war das zunächst nur ein Eindruck. Heute, zwei Jahre später, glaube ich, dass mich mein erstes Bauchgefühl nicht getäuscht hat.

    Natürlich war mir klar, dass diese Entwicklung nicht in Heilbronn begonnen hat. Die Richtung war in Berlin längst vorgegeben. Krankenhäuser sollen sich stärker spezialisieren, Leistungen sollen konzentriert und Standorte zusammengeführt werden. Ob man das für richtig hält oder nicht, spielt zunächst keine Rolle – diese Entwicklung ist politisch gewollt. Meine Sorge war allerdings von Anfang an, dass am Ende wieder der ländliche Raum den Preis dafür bezahlt.

    Nur ist Löwenstein eben kein gewöhnliches Krankenhaus. Es ist eine Fachklinik mit einem hervorragenden Ruf, deren Patienten nicht nur aus dem Landkreis Heilbronn kommen. Genau deshalb fragte ich mich schon früh, ob man eine solche Klinik überhaupt mit den gleichen Maßstäben bewerten kann wie ein Krankenhaus der Grundversorgung.

    Je länger ich den Prozess begleitet habe, desto mehr Fragen kamen hinzu. Ich saß in Aufsichtsratssitzungen, nahm an Klausurtagungen teil, las Vorlagen, Haushaltspläne und Jahresabschlüsse. Gemeinsam mit Carola Wolle stellten wir zahlreiche Anfragen, weil wir nachvollziehen wollten, wie sich diese Entwicklung begründet. Manche Antworten halfen weiter, andere führten zu neuen Fragen.  Genau deshalb habe ich einmal gesagt, dass ich mir vorkomme wie mit einem Nasenring durch die Manege gezogen.

    Am Anfang dachte ich noch, dass sich meine Bedenken vielleicht irgendwann zerstreuen würden. Dass neue Erkenntnisse auf den Tisch kommen oder ernsthaft über verschiedene Möglichkeiten diskutiert wird. Genau deshalb habe ich versucht, möglichst unvoreingenommen an das Thema heranzugehen. Ich wollte nicht einfach gegen eine Entscheidung sein. Ich wollte verstehen. Mit jeder Sitzung kamen neue Informationen hinzu.  Mal ging es um medizinische Konzepte, dann wieder um Wirtschaftlichkeit oder Investitionen. Vieles klang für sich genommen nachvollziehbar, aber mir war klar, wohin der Weg geht

    Deshalb habe ich angefangen, mich deutlich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Ich habe Unterlagen gelesen, alte Haushaltszahlen verglichen, Jahresabschlüsse ausgewertet und versucht, die Zahlen aufzubröseln. Wer eine Entscheidung treffen oder bewerten soll, muss die Grundlagen kennen.

    Was mich allerdings besonders gestört hat war das. Die Öffentlichkeit konnte diesen Prozess über fast zwei Jahre kaum begleiten. Während in Aufsichtsräten, Arbeitsgruppen und Sitzungen diskutiert wurde, bekamen die Bürger von alledem praktisch nichts mit. Erst als das Thema öffentlich richtig Fahrt aufnahm, waren bereits unzählige Gespräche geführt. Genau das halte ich für einen Fehler. Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen auch schwierige Entscheidungen akzeptieren können, wenn sie nachvollziehen können, warum sie getroffen werden. Dazu gehört aber, die Menschen frühzeitig mitzunehmen und nicht erst dann, wenn der Eindruck entsteht, dass die Richtung bereits feststeht.

    Irgendwann ließ sich das Thema dann nicht mehr nur in Sitzungen oder Ausschüssen diskutieren. Die ersten Berichte erschienen in den Medien, Angestellte wurden informiert und die Bürger wurden aufmerksam und schließlich bildete sich auch öffentlicher Widerstand. Viele Menschen konnten sich einfach nicht vorstellen, dass eine Fachklinik wie Löwenstein tatsächlich vor dem Aus stehen könnte.

    Ich kann das gut nachvollziehen. Auch ich hätte vor einigen Jahren nicht geglaubt, dass wir einmal über die Zukunft dieser Klinik diskutieren würden. Löwenstein genießt seit Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf. Für viele Menschen ist die Klinik weit mehr als nur ein Gebäude. Sie verbinden damit persönliche Schicksale, erfolgreiche Behandlungen oder Angehörige, die dort gearbeitet haben oder noch heute arbeiten.

    Mit der öffentlichen Diskussion änderte sich auch etwas anderes. Plötzlich interessierten sich Menschen für Dinge, die vorher kaum jemanden beschäftigt hatten. Es wurde über Wirtschaftlichkeit gesprochen, über Bettenzahlen, Investitionen und medizinische Konzepte. Begriffe, mit denen sich die meisten Bürger im Alltag nie beschäftigen müssen.  Genau deshalb habe ich versucht, möglichst viele Informationen öffentlich aufzubereiten.

    Natürlich geht es gerade „nur“ um Löwenstein, aber es sieht schlecht aus für die Kliniken in unserem schönen Bundesland. Es läge jetzt an der Landesregierung einzuschreiten! Es ist die grunndsätzlichere Frage: Wie gehen wir künftig mit unserer Gesundheitsversorgung um? Welche Rolle spielt die Wirtschaftlichkeit und wo beginnt die Verantwortung gegenüber den Menschen? Darauf gibt es für mich eine einfache Antwort:

    Der Bürger hat immer Vorrang. Immer! 

    Ich stehe in der Verantwortung für meine Wählerschaft und nicht für die Ideen der Verwaltung,  oder Vorgaben der Bundesregierung.

    In den folgenden Wochen fanden Gespräche und Informationsveranstaltungen statt. Die unterschiedlichen Sichtweisen wurden dargestellt und viele Fragen beantwortet. Trotzdem hatte ich oft den Eindruck, dass viele Bürger Antworten auf Fragen suchten, die sie gerne schon viel früher gestellt hätten.

    Am 27. Juli 2026 werden nun der Kreistag des Landkreises Heilbronn und der Heilbronner Gemeinderat über die Zukunft der Fachklinik entscheiden. Für die AfD ist klar, dass wir einer Schließung nicht zustimmen werden. Nach allem, was in den vergangenen Monaten öffentlich erkennbar war, haben die übrigen Fraktionen die bisherigen Planungen jedoch überwiegend unterstützt. Deshalb rechne ich damit, dass die Mehrheit der Schließung zustimmen wird.

    Ich würde mich freuen, wenn ich mich in dieser Einschätzung täusche.

    Ob diese Entscheidung in zehn oder zwanzig Jahren noch als richtig angesehen wird, kann heute niemand sagen. Politik trifft Entscheidungen immer mit dem Wissen ihrer Zeit. Ob sie richtig waren, zeigt sich oft erst viele Jahre später. Ich bin überzeugt davon, wir machen hier einen großen Fehler!

    Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie wichtig funktionierende Krankenhäuser und ausreichende Kapazitäten sein können. Plötzlich ging es nicht mehr darum, ob jedes Bett wirtschaftlich ausgelastet ist. Es ging darum, vorbereitet zu sein.

    Seit 2022 erleben wir zudem wieder einen Krieg in Europa. Auch das hätte sich bis vor wenigen Jahren kaum jemand vorstellen können. Krisen kommen oft unerwartet. Gerade deshalb stellt sich für mich die Frage, ob wir Krankenhäuser ausschließlich nach ihrer aktuellen Auslastung und Wirtschaftlichkeit beurteilen sollten oder ob wir nicht auch über Vorhaltung sprechen müssen.

    Hinzu kommt, dass fast alle Hilfskrankenhäuser längst nicht mehr existieren.  Ich bin der Auffassung, dass eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung Teil der kritischen Infrastruktur unseres Landes ist. Infrastruktur bemisst sich aus meiner Sicht nicht nur daran, was im Alltag gerade benötigt wird. Sie muss auch dann funktionieren, wenn außergewöhnliche Lagen eintreten. Dafür Kapazitäten vorzuhalten kostet Geld. Aber vielleicht ist genau das der Preis für Sicherheit.

    Ein Gedankenspiel

    Zum Schluss möchte ich mir noch einen Gedanken erlauben.

    Das Freibad am Gesundbrunnen soll gegen den Willen vieler Bürger geschlossen werden. Nach den bisherigen Planungen soll dort die neue Feuerwache entstehen.

    Nun spinnen wir den Gedanken einfach einmal weiter.

    Vielleicht stellt irgendwann jemand die Frage, ob diese Fläche nicht doch sinnvoller für eine Erweiterung des Klinikums genutzt werden könnte. Eine neue Feuerwache ließe sich schließlich auch an anderer Stelle bauen. Und wenn anschließend erneut gerechnet wird und wieder die Wirtschaftlichkeit den Ausschlag gibt – warum sollte dann nicht irgendwann auch der Plattenwald zur Diskussion stehen?

    Vielleicht entsteht auf diese Weise Schritt für Schritt genau das, was heute noch niemand ausspricht:

    Ein einziges Großklinikum für die gesamte Region.

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    Fachklinik Löwenstein fällt dem Rotstift zum Opfer?