Zum Inhalt springen

Frauenhäuser in Heilbronn: Zahlen für die Presse – aber nicht für die Kreisräte?

    Frauenhäuser oft für Frauen die letzte Option

    Frauenhäuser in Heilbronn: Zahlen für die Presse – aber nicht für die Kreisräte?

    Seit Dezember 2024 verlangen wir konkrete Auskünfte zur Frauenhaus-Situation im Landkreis Heilbronn. Drei Anfragen und zahlreiche Nachfragen später sind entscheidende Widersprüche noch immer ungeklärt. Jetzt berichtet die Heilbronner Stimme über konkrete Zahlen zur Auslastung der Frauenhäuser.

    Am 16. Oktober 2026 berichtet die Heilbronner Stimme unter der Überschrift „Plätze in Frauenhäusern sind knapp“ über die angespannte Situation in Heilbronn. Zwei Frauenhäuser mit insgesamt 17 Plätzen stehen zur Verfügung. Eine Mitarbeiterin berichtet, dass frei werdende Plätze teilweise innerhalb von zwei Stunden wieder vergeben werden. Die Mitternachtsmission spricht von einer aktuellen Auslastung von 100 Prozent.

    Diese Aussagen sind bemerkenswert. Denn seit Dezember 2024 versuchen wir als Kreisräte, vom Landratsamt Heilbronn konkrete Informationen zur Nachfrage, zu abgewiesenen Frauen und zur tatsächlichen Bedarfsentwicklung zu erhalten. Bereits in unserem bisherigen Bericht haben wir die drei Anfragen, die wiederholten Nachfragen und die unvollständigen Antworten ausführlich dargestellt.

    Der Widerspruch bleibt bestehen

    Das Landratsamt erklärte uns wiederholt, bestimmte Angaben seien aufgrund der Datenlage nicht auswertbar. Später wurden jedoch im Zusammenhang mit der Vorlage 23/2026 zur Schaffung zusätzlicher Frauenhauskapazitäten konkrete Belegungszahlen für die Jahre 2020 bis 2025 vorgelegt.

    Wir wollten deshalb wissen, weshalb diese Zahlen vorhanden waren, unsere früheren Fragen aber nicht entsprechend beantwortet werden konnten. Statt den Widerspruch aufzuklären, erhielten wir erneut allgemeine und teilweise ausweichende Antworten. In seinem jüngsten Schreiben vom 1. Oktober 2026 bestätigt das Landratsamt sogar ausdrücklich, dass ihm Jahresberichte der Frauenhäuser vorliegen und Daten daraus bereits für frühere Antworten verwendet wurden. Gleichzeitig hält die Verwaltung daran fest, dass die Nachfrage aufgrund der Datenlage nicht auswertbar sei.

    Nun können die Betreiber gegenüber der Presse konkrete Angaben zur Auslastung und zur Vergabe freier Plätze machen. Das ist zwar keine vollständige Bedarfsstatistik, zeigt aber, dass durchaus Informationen vorhanden sind. Weshalb gelingt es seit fast zwei Jahren nicht, unsere konkreten Fragen anhand der verfügbaren Informationen nachvollziehbar zu beantworten?

    Jetzt prüft das Regierungspräsidium

    Nach drei Anfragen, wiederholten Nachfragen und einer aus meiner Sicht weiterhin unzureichenden Beantwortung habe ich mich als einzelner Kreisrat an das Regierungspräsidium Stuttgart gewandt. Ich sehe mein gesetzliches Anfragerecht nach § 19 Abs. 4 Landkreisordnung Baden-Württemberg erheblich beeinträchtigt. Am 15. Oktober 2026 bestätigte mir das Regierungspräsidium schriftlich, dass meine Eingabe eingegangen ist und das Landratsamt Heilbronn bereits um eine Stellungnahme gebeten wurde. Eine abschließende Bewertung steht noch aus.

    Wer unsere Zustimmung will, muss auch unsere Fragen beantworten

    Der Kreistag entscheidet über öffentliche Zuschüsse und zusätzliche Schutzangebote. Von uns wird erwartet, dass wir dafür Verantwortung übernehmen. Wie sollen wir aber fundierte Entscheidungen treffen, wenn uns die dafür notwendigen Informationen nicht nachvollziehbar zur Verfügung gestellt werden? Mir geht es ausdrücklich nicht darum, Frauenhäuser oder deren Ausbau infrage zu stellen. Frauen und Kinder, die vor Gewalt fliehen, brauchen Schutz. Wenn weitere Plätze erforderlich sind, müssen sie geschaffen werden. Aber wir müssen auch wissen, wie groß der Bedarf tatsächlich ist und ob die vorgesehenen Mittel dort ankommen, wo sie benötigt werden.

    Frauen schützen bedeutet für mich nicht nur, Geld bereitzustellen. Es bedeutet auch, genau hinzusehen und dafür zu sorgen, dass Hilfe tatsächlich bei den Betroffenen ankommt.

    Quelle: Heilbronner Stimme vom 16. Oktober 2026, „Plätze in Frauenhäusern sind knapp“, Theresa Heil/dpa.