Wer das Ergebnis der Landtagswahl Baden-Württemberg 2026 mit der letzten Wahl vergleicht, sieht ein klares Bild.
Die AfD hat massiv zugelegt und ihr Ergebnis nahezu verdoppelt. Die CDU konnte etwas hinzugewinnen. Die Grünen dagegen haben Stimmen verloren, ebenso SPD und FDP. Mehrere kleinere Parteien spielen kaum noch eine Rolle.
Das sind die Fakten.
AfD mit Abstand größter Gewinner
Während bei den Grünen trotz Verlusten von Erfolg gesprochen wird, zeigt sich bei der AfD das Gegenteil.
Die AfD hat ihr Ergebnis gegenüber der letzten Wahl massiv gesteigert und gehört eindeutig zu den Gewinnern dieser Wahl. Trotzdem wird das Ergebnis teilweise als Enttäuschung dargestellt, weil einzelne Umfragen zuvor noch höhere Werte gesehen hatten.
Auch hier entsteht ein schiefes Bild:
Wer mit Prognosen vergleicht, sieht etwas anderes als derjenige, der mit der letzten Wahl vergleicht.
Die CDU konnte Stimmen hinzugewinnen. Das zeigt deutlich, die Bürger wollen mehr konservative Politik. SPD, FDP und kleinere Parteien schneiden deutlich schwächer ab als bei der letzten Wahl. Die FDP fliegt raus und die Linken schaffen es, trotz der „guten“ Prognose nicht. Das Wahlergebnis zeigt damit eine klare Verschiebung, die mit vielen Prognosen im Vorfeld nur wenig zu tun hat.
Wenn Umfragen so daneben liegen – wozu brauchen wir sie?
Wenn Umfragen Monate lang ein anderes Bild zeigen als das spätere Wahlergebnis, muss man sich eine einfache Frage stellen:
Welchen Wert haben solche Prognosen eigentlich noch?
Noch Monate vor der Wahl wurden die Grünen in Umfragen deutlich stärker gesehen als sie am Ende tatsächlich abgeschnitten haben. Trotzdem wird ihr Ergebnis jetzt als Erfolg dargestellt, obwohl sie im Vergleich zur letzten Wahl Stimmen verloren haben. Gleichzeitig legt die AfD massiv zu, wird aber teilweise als enttäuschend bewertet, weil vorher höhere Werte im Raum standen.
Wie kann es zu solchen Widersprüchen kommen?
Sind Prognosen am Ende wenig mehr als Momentaufnahmen ohne echte Aussagekraft?
Oder dienen sie vor allem dazu, Erwartungen zu erzeugen und Wähler zu mobilisieren?
Antworten die Befragten überhaupt ehrlich, wenn sie nach ihrer Wahlentscheidung gefragt werden?
Oder werden möglicherweise genau die Menschen nicht erreicht, die später tatsächlich wählen gehen?
Vielleicht war die politische Stimmung im Land die ganze Zeit stabiler, als es viele Umfragen vermuten ließen.
Vielleicht lagen die Kräfteverhältnisse schon lange näher am Ergebnis von 2021, als es die Prognosen gezeigt haben.
Wer weiß das schon.
Fest steht nur:
Wenn Wahlergebnisse am Ende völlig anders bewertet werden als sie tatsächlich ausgefallen sind, weil vorher andere Zahlen veröffentlicht wurden, dann muss man sich die Frage stellen, welchen Nutzen solche Umfragen überhaupt noch haben.
Wenn Gewinne als Verluste dargestellt werden und Verluste als Erfolg gelten, weil vorher andere Zahlen im Raum standen, dann stimmt nicht das Ergebnis nicht – sondern die Erwartung davor.
Die Landtagswahl 2026 zeigt vor allem eines:
Nicht die Umfrage entscheidet, sondern der Wähler.
Und der hat diesmal klar entschieden.
